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Der Digitalpakt, der Deutschlands Schulen für das 21. Jahrhundert fit machen soll, lässt auf sich warten. Vor knapp einem Jahr wurden dafür vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 5 Mrd. EUR angekündigt. Bis dato ist davon kein Cent bewilligt.
Bleibt zu hoffen, dass es nach der Bundestagswahl im September 2017 nicht ein „Warten auf Godot“ wird.

Nicht auf sich warten lassen die Studien zur Digitalisierung der Schulen als auch zur Wirksamkeit digitaler Medien im schulischen Unterricht.
Gleich drei Studien wurden innerhalb weniger Tage Mitte September 2017 veröffentlicht und zwar von der Friedrich-Ebert-Stiftung, vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) und von der Bertelsmann-Stiftung. Der Tenor aus den 3 Studien ist der gleiche: das digitale Klassenzimmer ist ein Muss.

Wer sich die Studien allerdings etwas genauer anschaut könnte auch zu anderen Schlüssen kommen oder zumindest zu einer mehrdimensionalen Sicht.
Über zwei Drittel der befragten Lehrer*innen sind der Auffassung, dass digitale Medien die Attraktivität ihrer Schule steigern, aber nur knapp ein Viertel stimmten „eher zu“, dass digitales Lernen die Lernqualität erhöhen kann und nur 5 Prozent meinen, dass sich mit ihnen besser lernen lasse.
Auch was die Lernergebnisse betrifft, lohnt sich ein aufmerksames Lesen.
Bessere Ergebnisse als Folge des Einsatzes von Digitalmedien erwartet gerade mal jeder Zehnte aus dem befragten Personenkreis der Lehrrer*innen. 90 Prozent dagegen scheinen offenbar wohl anderer Meinung zu sein.

Unisono hohe Zustimmungsraten dagegen gibt es bei den Fragen, ob digitale Medien das Image der Schule verbessern können. Es wundert daher nicht, dass gerade elitäre Privatschulen mit ihrem „high-tech-level“ an digitalen Medien bei ihrem solventen Klientel auch in diesem Bereich auf sich aufmerksam machen wollen.

Ob digitale Medien helfen können, pädagogische Herausforderungen wie z.B. die Förderung lernschwacher Schüler*innen oder die Schaffung eines attraktiven Ganztagesangebots besser bewältigen zu können, wie dies bereits behauptet wurde, sollte allerdings noch weiter diskutiert werden.
Das zeigt schon ein Gutachten des bayerischen Aktionsrat Bildung vom Mai 2017 „im Hinblick auf kompetenzförderliche Effekte des Medieneinsatzes, dass Grundschüle- rinnen und Grundschüler in Deutschland, in deren Unterricht mindestens einmal wöchentlich Computer eingesetzt wurden, in den Domänen Mathematik und Naturwissenschaften statistisch signifkant niedrigere Kompetenzen aufwiesen als jene Grundschulkinder, die seltener als einmal pro Woche Computer im Unterricht nutzten (vgl. Kahnert/Endberg 2014).

Ein weites Feld ist dieses Thema, das wir innerhalb des Verbandes Montessori Nordbayern e.V. in den entsprechenden Fachgruppen auf pädagogischer und organisatorischer Ebene verstärkt bearbeiten wollen und müssen.

UM/18.09.2017

 

Hier finden Sie die Links zu den o.g. Studien:

http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/13644.pdf

https://www.cesifo-group.de/DocDL/sd-2017-17-woessmann-etal-2017-09-14.pdf

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Teilhabe_in_einer_digitalisierten_Welt/BST_DigiMonitor_Schulen_web.pdf

http://www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/Dokumente/ARB_Gutachten_gesamt_16.05.2017.pdf